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Auction Market Theory (AMT)
Von J. Peter Steidlmayer geprägtes Marktmodell: Der Markt ist eine fortlaufende Auktion, die nach Fair Value sucht. Das Fundament, um zu verstehen, was am Markt passiert. Liefert Kontext, kein Signal.
Fair Value
Der Preisbereich, in dem über eine Periode das meiste Volumen bei ausgeglichener Aggression gehandelt wird. Der aktuell vom Markt akzeptierte Wert.
Point of Control (PoC)
Das Preislevel mit dem höchsten gehandelten Volumen in einer bestimmten Periode.
Value Area (VA / VAH / VAL)
Der Preisbereich mit rund 70% des Periodenvolumens. Obere Grenze = Value Area High (VAH), untere = Value Area Low (VAL).
Balance
Ausgeglichene Auktion: Der Preis rotiert um den Fair Value, beide Seiten sind aktiv. Ein Range-Markt.
Imbalance
Ungleiche Auktion: Eine Seite dominiert, der Preis verschiebt Wert gerichtet. Ein Trend-Markt.
Acceptance (Akzeptanz)
Der Markt akzeptiert einen Preisbereich: Volumen und Verweildauer steigen, der Wert verlagert sich dorthin.
Rejection (Ablehnung)
Der Markt lehnt einen Preisbereich ab: schnelle Bewegung weg, wenig Volumen, oft als Excess sichtbar.
Initiative Activity
Aggressive Teilnehmer, die Wert verschieben wollen: Käufer über bzw. Verkäufer unter dem Fair Value. Treiben Imbalance.
Responsive Activity
Teilnehmer, die zum Fair Value zurückdrängen: Käufer unter bzw. Verkäufer über dem Wert. Verteidigen Balance.
Failed Auction
Ein Ausbruch, der keine Akzeptanz findet und in die Value Area zurückfällt. Häufig eine Falle für späte Einsteiger.
Auction Cycle
Der fortlaufende Wechsel Balance → Imbalance → Balance: balancieren, ausbrechen, neuen Wert suchen, erneut balancieren.
Price Discovery
Phase, in der der Markt aktiv nach neuem Fair Value sucht, meist nach einem Ausbruch aus der Balance.
Rotation
Preisbewegung innerhalb der Balance-Zone, ohne dass eine Seite nachhaltig Wert verschiebt.
Die 80%-Regel
Heuristik: Öffnet der Preis außerhalb der vorherigen Value Area, tritt wieder ein und hält sich dort zwei aufeinanderfolgende Perioden, ist eine Rotation durch die gesamte Value Area wahrscheinlich. Eine Wahrscheinlichkeit, keine Garantie.
Volume Profile
Darstellung des Volumens je Preislevel (horizontal) statt je Zeit. Macht Wertzonen und den PoC sichtbar.
High Volume Node (HVN)
Preiszone mit überdurchschnittlichem Volumen: akzeptierter Wert, wirkt oft als Magnet und Support/Resistance.
Low Volume Node (LVN)
Preiszone mit wenig Volumen: abgelehnter Bereich, durch den der Preis beim Re-Test meist schnell durchläuft.
TPO (Time Price Opportunity)
Baustein des Market Profile: zeigt über Buchstaben, wie lange in einer Periode auf jedem Preislevel gehandelt wurde. Struktur über Zeit.
TPO PoC
Das Preislevel mit der meisten Zeit (den meisten TPOs). Der zeitbasierte Point of Control.
Initial Balance (IB)
Die Preisspanne der ersten Handelsperiode(n) einer Session, meist der ersten Stunde. Frühe Referenz für den Tagesverlauf.
Single Prints
Preislevel, die nur in einer einzigen TPO-Periode gehandelt wurden. Zeichen schneller, einseitiger Bewegung ohne Gegenwehr.
Excess
Eine scharfe Ablehnung am Rand der Auktion (langer Docht oder Single Prints). Markiert einen klar zurückgewiesenen Preis.
Unfinished Auction (Poor High/Low)
Ein Hoch oder Tief ohne sauberen Excess (mehrere Kontakte am Extrem). Der Markt kehrt oft zurück, um die Auktion zu beenden.
Range Extension
Handel jenseits der Initial Balance (über dem IB-Hoch oder unter dem IB-Tief). Zeigt, dass die andere Zeitebene initiativ eingreift. Eine Extension in der letzten Periode ist aber noch kein bestätigter Tail.
One-Time-Framing (OTF)
Eine Zeitebene ist in Kontrolle: Jede Periode macht ein höheres Tief (nach oben) bzw. tieferes Hoch (nach unten), ohne das Extrem der Vorperiode zu verletzen. Ein Trend. Überlappen sich die Perioden in Rotation, teilen sich zwei Zeitebenen die Kontrolle (Balance).
Halfback
Die 50%-Mitte der (sich verschiebenden) Tagesspanne. Ein Day-Timeframe-Anker, der vor allem an ruhigen Tagen zählt; an einem Trendtag der anderen Zeitebene kaum.
Overnight Inventory
Die über Nacht relativ zum Vortags-Settle aufgebaute Long- oder Short-Position. Überpositionierte Seiten werden nach der Eröffnung oft rausgespült (Adjustment); bleibt das aus, ist es selbst ein Zeichen kurzfristiger Stärke.
Bracket
Eine Balance- oder Range-Phase mit überlappenden Ranges, in der der Markt Wert bestätigt. Brackets sind ineinander geschachtelt und erst im Nachhinein sauber zu erkennen.
Tagestypen (Profile Types)
Wiederkehrende Formen des Tagesprofils (etwa Normal Day, Trend Day, Neutral Day). Beschreiben den Charakter der Auktion und sind erst nach dem Tag sicher erkennbar, keine Prognose.
Orderflow
Die Beobachtung, wie aggressiv oder passiv Teilnehmer in Echtzeit handeln. Kein Signal, sondern Kontext, gelesen über Location, Volumen, Delta, Geschwindigkeit und Reaktion.
Footprint
Chart, der je Candle das Volumen pro Preislevel in Bid und Ask aufschlüsselt. Der Röntgenblick in die Kerze.
Delta
Die Differenz zwischen aggressivem Kauf- und Verkaufsvolumen auf einem bestimmten Preislevel.
Cumulative Volume Delta (CVD)
Die fortlaufende Summe des Deltas über einen bestimmten Zeitraum.
Delta-Divergenz
Das Delta dreht, während der Preis noch in die alte Richtung läuft. Möglicher Hinweis auf einen Kontrollwechsel, der Bestätigung braucht.
Stacked Imbalances
Mehrere aufeinanderfolgende Bid- oder Ask-Übergewichte an benachbarten Leveln. Anhaltende aggressive Dominanz an einer Zone.
Absorption
Wenn große passive Orders aggressive Markt-Orders aufnehmen, ohne dass der Preis weitergeht.
Aggression (aggressiv vs. passiv)
Aggressive Orders nehmen sofort den Markt und zahlen den Spread (Market Orders); passive Orders warten im Buch (Limit Orders). Ihr Zusammenspiel ist Orderflow.
Diagonale Imbalance
Im Footprint wird das Ask auf einem Preis gegen das Bid eine Zeile darunter verglichen (diagonal, wegen des Spreads). Dominiert eine Seite deutlich (übliche Schwelle ab 3:1), gilt die Zeile als Imbalance.
Trapped Traders
Die aggressive Seite, die das Volumen gewann, aber nicht den Preis (etwa starkes positives Delta, aber Schluss am Tief). Um herauszukommen, müssen sie gegen sich handeln, was oft die Gegenbewegung speist. Kein Signal, es zählt die Reaktion.
Follow-through
Die Folgebewegung, die eine Interpretation bestätigt. Absorption, Imbalance oder Divergenz zählen erst, wenn danach tatsächlich Bewegung in die erwartete Richtung kommt.
Depth of Market (DOM / Orderbuch)
Live-Ansicht der offenen Limit-Orders je Preislevel auf Bid- und Ask-Seite. Zeigt, wo Liquidität geparkt ist.
Bid
Die Kaufseite: Preise, zu denen Käufer per Limit-Order warten.
Ask
Die Verkaufsseite: Preise, zu denen Verkäufer per Limit-Order warten.
Spread
Die Differenz zwischen bestem Bid und bestem Ask.
Limit Order
Order zu einem festgelegten Preis, die passiv im Orderbuch wartet. Gegenstück zur Market Order.
Pull (Pulling)
Das schnelle Zurückziehen von Limit-Orders. Liquidität verschwindet, bevor sie gehandelt wird.
Stack (Stacking)
Das Aufbauen großer Limit-Orders auf einem Level: ein sichtbarer Liquiditätsblock (echt oder Spoofing).
Iceberg Order
Eine große Limit-Order, von der nur ein kleiner Teil sichtbar im Buch liegt und sich nach Ausführung automatisch nachfüllt, um die wahre Größe zu verbergen.
Spoofing
Das Platzieren großer Limit-Orders ohne Ausführungsabsicht, um den Preis zu bewegen. Gilt als Marktmanipulation und ist in regulierten Märkten verboten.
VWAP (Volume Weighted Average Price)
Der volumengewichtete Durchschnittspreis. Ein institutioneller Anker, an dem viele Algorithmen ihre Ausführung messen.
Standardabweichungs-Bänder (SD1-SD3)
Volatilitätsbänder um den VWAP (1. bis 3. Standardabweichung). Markieren statistische Abweichungen vom Anker.
Anchored VWAP
Ein VWAP, der ab einem selbst gewählten Punkt startet (Swing-Hoch/Tief, News, Session-Open) statt ab Session-Beginn. Zeigt den Durchschnittspreis aller Teilnehmer seit dem Anker. Populär gemacht von Brian Shannon.
VWAP-Reclaim
Die Rückeroberung des VWAP von der anderen Seite, die sich hält (von unter nach über oder umgekehrt). Markiert einen Kontextwechsel im Tagesbias, kein Einstiegssignal für sich.
Market Impact
Die Preisbewegung, die eine Order selbst auslöst: eine Großorder auf einmal treibt den Preis gegen den eigenen Einstieg. Der Grund, warum Banken große Orders zerlegen und über den Tag verteilen.
Best Execution
Der Anspruch (und die regulatorische Pflicht), Kundenorders bestmöglich auszuführen. Der VWAP ist dafür der verbreitetste Vergleichsmaßstab: unter VWAP kaufen oder über VWAP verkaufen gilt als gute Ausführung.
Guaranteed VWAP
Ein Ausführungsgeschäft, bei dem die Bank dem Kunden den Tages-VWAP als Preis garantiert und das Ausführungsrisiko selbst trägt, gegen Gebühr.
Mean-Reversion
Die Tendenz des Preises, nach einer Abweichung zu einem fairen Wert zurückzukehren (etwa zum VWAP oder zur Value Area). Gilt in Balance, nicht im Trend.
Heatmap
Zeitliche Visualisierung der Orderbuch-Liquidität: helle Zonen = viele Limit-Orders. Macht Aufbau, Abzug und Spoofing sichtbar.
Liquidität
Die zur sofortigen Ausführung verfügbaren Orders. Konzentriert sich oft an runden Zahlen und vorherigen Hoch-/Tiefpunkten.
Resistance Wall (Liquiditätswand)
Ein großer Liquiditätsblock auf einer Seite, der eine Bewegung bremst, bis er gehandelt oder abgezogen (gepullt) wird.
Supply & Demand
Framework, das Zonen sucht, aus denen der Preis zuvor explosiv wegbrach. Grundannahme: Dort liegen noch unausgeführte Orders großer Teilnehmer. Das ist ein Modell, das an der Reaktion geprüft werden muss, keine bewiesene Tatsache.
Supply Zone (Angebotszone)
Bereich, aus dem der Preis scharf gefallen ist. Vermutete Cluster von Verkaufsorders, die bei Rückkehr reagieren können.
Demand Zone (Nachfragezone)
Bereich, aus dem der Preis scharf gestiegen ist. Vermutete Cluster von Kauforders.
Zonen-Formationen
Aufbaumuster: Drop-Base-Rally und Rally-Base-Rally bilden Demand-Zonen, Rally-Base-Drop und Drop-Base-Drop bilden Supply-Zonen. Jeweils Impuls, Konsolidierung, Impuls.
Fresh Zone
Eine noch nicht erneut getestete Zone. Gilt in der Supply-Demand-Lehre als am reaktionsstärksten, da die vermuteten Orders noch intakt sind.
Tested Zone
Eine bereits angelaufene Zone. Die vermutete Liquidität ist teils aufgebraucht, die Reaktion meist schwächer.
Zone Flip (Polarity Flip)
Wird eine Zone klar durchbrochen, wechselt sie die Seite: aus Demand wird Supply und umgekehrt.
Unfilled Orders
Die Restorders großer Teilnehmer in einer Zone, die bei einem Retest aktiv werden können. Die Grundannahme hinter Supply & Demand.
Retest
Die Rückkehr des Preises zu einer verlassenen Zone oder einem Level. Der typische Moment, in dem Reaktionen geprüft werden.
Bias
Die übergeordnete Richtungserwartung, vor der Session aus dem Kontext gebildet. Keine Gewissheit, sondern eine zu prüfende These.
Location
Das präzise, strukturell begründete Level, an dem ein Setup überhaupt infrage kommt. Ohne Location keine Edge.
Confluence
Das Zusammentreffen mehrerer unabhängiger Hinweise am selben Ort (etwa Value-Rand, VWAP und Orderflow-Reaktion). Stärkt eine Location, ersetzt aber keine eigene Prüfung.
Edge
Der statistische Vorteil eines Vorgehens über viele Trades. Entsteht aus Kontext, Location und Prozess, nicht aus einem einzelnen Signal.
Execution
Der Moment der Umsetzung: Bestätigung durch Orderflow am geplanten Level, mit vorher definiertem Risiko.
Risk Management
Stop und Position-Size stehen vor dem Entry fest. Schützt nicht nur das Konto, sondern den Trader vor sich selbst.
Profit Management
Das geplante Verwalten offener Gewinne. Ziele und Teilverkäufe werden vor dem Trade definiert, nicht im Trade.
Tilt
Emotional getriebenes Handeln nach Frust, FOMO oder Verlust. Der Hauptfeind der Ausführungsqualität.
Swing Trading
Handeln über höhere Zeitebenen und mehrere Tage. Gleiche Auktionslogik, größerer Kontext (bei MindForged in Erweiterung).